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Ratgeber · Schweißtechnik

Schweißverfahren im Check: WIG, MAG & Elektrode

WIG-Schweißen liefert die saubersten Nähte und ist erste Wahl für Edelstahl und Aluminium. MAG-Schweißen ist schnell und wirtschaftlich für Stahlkonstruktionen. Das Elektrodenschweißen (E-Hand) ist robust und funktioniert auch im Freien bei Wind. Welches Verfahren passt, hängt von Werkstoff, Materialstärke und Einsatzort ab.

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe
Aktualisiert am

Die drei Verfahren

WIG – Wolfram-Inertgas-Schweißen. Der Lichtbogen brennt zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Werkstück, der Zusatzwerkstoff wird von Hand zugeführt. Ein inertes Schutzgas (Argon) schützt die Naht. Vorteil: höchste Sauberkeit, keine Spritzer, volle Kontrolle.

MAG – Metall-Aktivgas-Schweißen. Ein Schweißdraht wird kontinuierlich durch den Brenner gefördert und schmilzt im Lichtbogen ab. Vorteil: schnell, produktiv, ideal für Stahlkonstruktionen.

E-Hand – Lichtbogenhandschweißen. Eine umhüllte Stabelektrode ist Energieträger und Zusatzwerkstoff zugleich; die Umhüllung bildet Schutzgas und Schlacke. Vorteil: robust, ohne Gasflasche, gut für Baustellen.

Vergleich

Merkmal WIG MAG Elektrode
Geschwindigkeit langsam sehr hoch mittel
Nahtoptik exzellent gut rau (Schlacke)
Einsatz im Freien ungeeignet (Wind) ungeeignet (Wind) sehr gut
Spritzer nahezu keine vorhanden stark
Materialstärke ca. 0,5–6 mm ab ca. 1 mm ab ca. 2 mm

Welches Verfahren für welches Metall?

  • Stahl: Alle drei Verfahren funktionieren. Für Konstruktionen nutzen wir meist MAG.
  • Edelstahl: WIG für optisch perfekte Nähte, etwa an Geländern und Handläufen.
  • Aluminium: WIG mit Wechselstrom, um die Oxidschicht aufzubrechen.

Warum draußen kaum mit Schutzgas geschweißt wird

WIG und MAG schützen das flüssige Schmelzbad mit einem Gasstrom aus dem Brenner. Schon leichter Wind bläst das Gas weg, Luft gelangt an die Naht, und es entstehen Poren. Die Stabelektrode erzeugt ihr Schutzgas dagegen direkt am Lichtbogen aus der Umhüllung und deckt die Naht zusätzlich mit Schlacke ab. Deshalb ist E-Hand das Verfahren für Reparaturen im Freien – und deshalb entstehen Geländer, Treppen und Tore bei uns in der Werkstatt und werden vor Ort geschraubt.

Aufwand und Wirtschaftlichkeit

WIG MAG Elektrode
Lernaufwand hoch (beide Hände arbeiten) gering (eine Hand führt) mittel
Geräteaufwand hoch mittel bis hoch gering, keine Gasflasche
Wirtschaftlich bei Sichtnähten, dünnem Blech, Edelstahl langen Nähten, Serien, Stahlbau Einzelnähten, Montage, Reparatur
Nacharbeit kaum Spritzer entfernen Schlacke abklopfen, bürsten

WIG ist langsam, spart aber Nacharbeit: Eine sauber gezogene Naht an einem Edelstahlhandlauf wird nur noch gebeizt oder verschliffen. MAG trägt viel Material in kurzer Zeit auf und ist bei tragenden Stahlkonstruktionen das wirtschaftlichste Verfahren.

Dünnes Blech, dickes Profil

Bei Blechen unter etwa 1 mm lässt sich der Lichtbogen nur beim WIG-Schweißen fein genug dosieren, um nicht durchzubrennen. Bei dicken Querschnitten wird die Naht vorbereitet (angefast) und in mehreren Lagen geschweißt. Wärme verzieht das Bauteil – wir heften deshalb zuerst, schweißen in wechselnder Reihenfolge und richten bei Bedarf nach.

Arbeitsschutz

Schweißrauch enthält feine Metallpartikel, der Lichtbogen strahlt starkes UV-Licht ab. Ohne Schweißerschutzschild, geschlossene Kleidung und Absaugung drohen Verblitzen der Augen, Hautverbrennungen und Atemwegsschäden. Bei Edelstahl kommen Chrom- und Nickelverbindungen im Rauch hinzu.

Geprüfte Schweißer

Bei mitSteel schweißen Schweißer mit Prüfung nach DIN EN ISO 9606-1. Auf der Baustelle montieren wir bevorzugt geschraubt statt geschweißt – das schützt Oberflächen und Korrosionsschutz. Geschweißt wird in der Werkstatt, unter kontrollierten Bedingungen.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Welches Schweißverfahren ist das beste für Edelstahl?

Das WIG-Verfahren. Es erzeugt sehr saubere, spritzerfreie Nähte, die sich anschließend kaum sichtbar verschleifen lassen.

Warum schweißt man im Freien meist mit Elektrode?

Bei WIG und MAG schützt ein Schutzgas die Naht. Wind weht das Gas weg und es entstehen Poren. Die Elektrode erzeugt ihre Schutzatmosphäre direkt am Lichtbogen.

Was bedeutet DIN EN ISO 9606-1?

Die Norm regelt die Prüfung von Schweißern für Stahl. Der Schweißer weist in einer Prüfung nach, dass er ein bestimmtes Verfahren an bestimmten Werkstoffen und Positionen fachgerecht beherrscht.

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